Das Problem der sexuellen Nötigung

Im deutschen Recht wird leider immer noch von der sexuellen Nötigung oder dem sexuellen Missbrauch gesprochen, aber nicht von der sexuellen Gewalt. Dabei geht es nicht nur im Wortklaubereien – die sexuelle Gewalt ist ein viel weiterer Begriff.

Unter sexueller Gewalt versteht man alle Handlungen, bei denen gegen den Willen der anderen Person eine sexuelle oder sexualisierende Handlung vorgenommen wird. Sexuelle Gewalt kann damit auch verbal sein. Ebenfalls dazu gehört auch, dass Autorität eingesetzt wird, um ein Einverständnis zu einer sexuellen Handlung zu bekommen. So ist Sex mit Schutzbefohlenen verboten, weil eben nicht von einer freien Entscheidung ausgegangen werden kann. Oftmals wird diese Autorität aber auch subtil ausgenutzt, im Besonderen in Beruf und Geschäft. Nicht erst seit dem Weinstein-Skandal gab es in der Filmindustrie die sogenannte Besetzungscouch.

Gewalt nur bei Vergewaltigung

Der Gewaltbegriff in der Rechtsprechung kommt erst bei der Vergewaltigung zum Vorschein, die aber einen vollzogenen Geschlechtsakt annimmt. Kam es nicht zu einer Penetration, spricht man von der versuchten Vergewaltigung.

Diese Rechtsprechung schützt vor allem den Täter, nicht aber das Opfer. Heute wird der Gewaltbegriff viel weiter gezogen. Vor allem Frauen erleben sexuelle Gewalt fast alltäglich, und sei es nur durch ungewollte Berührungen von Fremden.

Sexuelle Gewalt ist nach wie vor auch noch ein Familienproblem, das oft totgeschwiegen wird. Gerade sexuelle Gewalt gegen Kinder kommt nicht in dem Maß zur Anzeige wie es eigentlich sein sollte. Dabei ist dieses Phänomen kulturübergreifend zu finden, wenn auch in unterschiedlichen Ausmaßen, meist aber abhängig vom Entwicklungsstand einer Gesellschaft und nicht vom Kulturtyp. So findet sexuelle Gewalt auch in buddhistischen Gesellschaften statt, und auch in den Tempeln der Mönchen und den Klostern der katholischen Kirche.

Gerichte sehen aber zunehmend auch die Androhung von Gewalt bei einer sexuellen Nötigung als gegeben an, wenn ein psychischer Druck ausgeübt wird. Dennoch haben es Opfer immer noch schwer, die Tat zu beweisen, wenn der Täter sich unschuldig gibt.